LokalStadt Lüdenscheid

Nächtlicher Einzelkämpfer gegen Glätte

“Ich mag die Ruhe”

Schon zu Beginn des Einsatzes gegen 20 Uhr herrscht wenig Verkehr, aber noch ist Thomas Tackmann nicht allein auf der Straße. Das kommt erst später. “So ab 1, halb 2 fängt Lüdenscheid wirklich an zu schlafen”, weiß Tackmann. “Da ist dann alles wie ausgestorben.” Seine Route beendet er erst in den frühen Morgenstunden, meist gegen 3 oder 4 Uhr. Er hat sich daran gewöhnt, zu arbeiten, wenn andere schlafen, und auch daran, ganz alleine auf der Straße zu sein. Einsam fühlt er sich nie, betont Tackmann. “Ich mag die Ruhe. Und jetzt in der Weihnachtszeit hat man richtig was zu gucken.”

Er meint die Weihnachtsbeleuchtungen und Dekorationen in und an den Häusern und Wohnungen und auf den Grundstücken. Manche Dekorationen gefallen ihm, andere findet Tackmann zu aufdringlich. Bunten Lichterketten, die in Grün und Blau blinken, kann der bald 56-Jährige nichts abgewinnen. Und auf seinen abendlichen Routen kennt er inzwischen die Art der Beleuchtung – und die Fortschritte. “Der macht auch jedes Jahr mehr”, sagt er und deutet auf einen hellerleuchteten Vorgarten, in dem jeder noch so kleine Busch mit einer Lichterkette verziert wurde.

Die Fahrt über Gevelndorf und Freisenberg verläuft wie geplant. Manchmal kann Tackmann mittig fahren und die gesamte Straßenbreite auf einmal besprühen. Häufig muss er aber wenden und die gleiche Straße wieder zurückfahren, um alle Spuren zu erwischen, ohne die anderen Verkehrsteilnehmer zu behindern. Gestreut wird vorrangig auf wichtigen Durchgangsstraßen, in Industriegebieten und auf allen Straßen, auf denen Linienbusse fahren. In Wohngebieten, wo links und rechts Autos am Straßenrand parken, kann das schon mal eng werden, aber Tackmann hat das Steuer und die Lage fest im Griff. Die Routine macht’s.

Nach einer Stunde sind bereits 1.400 der 6.000 Liter Sole, die das Fahrzeug fasst, verbraucht. Bei einem Verbrauch von etwa 15 bis 20 Milliliter pro Quadratmeter reicht eine Ladung nicht für die gesamte Strecke. Tackmann wird irgendwann, mitten in der Nacht, noch einmal nachtanken müssen. Dafür fährt er zurück zum STL-Gelände und schließt sein Fahrzeug mit einem Schlauch an einen großen 50.000 Liter-Tank voller Sole an. Die Befüllung funktioniert ganz automatisch. Nach 15 bis 20 Minuten ist das Fahrzeug dann wieder voll beladen. Die Wartezeit vertreibt sich Tackmann ganz entspannt mit einer Zigarette.


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