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Lebensversicherungen im Run-Off: Das müssen Verbraucher jetzt wissen

Run-Offs sind in Deutschland kein neues Phänomen: Rund 1,8 Millionen Lebensversicherungsverträge wurden in der Vergangenheit bereits von sogenannten Run-Off-Gesellschaften verwaltet. Durch den Verkauf der Generali Lebensversicherung und der Diskussion um weitere Verkäufe der Bestände von deutschen Lebensversicherern an internationale Investoren erreicht das Thema in jüngerer Vergangenheit allerdings eine Größenordnung, die es so in Deutschland noch nicht gab.

Eine Entwicklung, die für das Vertrauen der Kunden in die Versicherungsbranche wohl kaum förderlich sein dürfte. Die große Sorge: Die Interessen der Versicherungsnehmer könnten gegenüber den Gewinnbestrebungen der Investoren in den Hintergrund rücken. Denn inwieweit ein neuer Versicherer noch Überschüsse für die Versicherten erwirtschaftet, bleibt fraglich und abzuwarten. Allzu großes Interesse dürften Investoren hieran zumindest nicht haben. Zudem: Ein Versicherer, der nicht mehr am Wettbewerb teilnimmt, dürfte weniger Anreize haben, sich als fairer und service-orientierter Vertragspartner zu präsentieren. Das könnte insbesondere auch bei eingeschlossenen Zusatzversicherungen, wie einer Berufsunfähigkeitsrente, von Nachteil sein. Im Leistungsfall stünde dann plötzlich ein anderer Versicherer mit anderem Regulierungsverhalten usw. auf der Gegenseite.

Das bedeuten ein Run-Off für Verbraucher

  • Für die Verbraucher besteht kein akuter Handlungsbedarf. Kein Kunde muss überstürzt kündigen, denn bei einem Run-Off laufen die Verträge unverändert weiter. Die Käufer müssen die versprochenen Garantien zahlen und stehen dafür gerade, die bereits zugesicherten Überschussbeteiligungen zu erfüllen. Das gesamte Kundenvermögen eines Bestandes bleibt den betroffenen Verträgen erhalten.
  • Verbraucher sollten vor einem geplanten Run-Off ihres Versicherers abwarten, ob ihr Bestand übertragen werden soll und an wen. Auf dieser Grundlage können sie dann überlegen, ob Handlungsbedarf besteht. Das ist immer auch von den individuellen Umständen abhängig (z.B. von Versicherer, Vertragslaufzeit, Garantiezins, Zusatzversicherungen wie etwa Berufsunfähigkeitsversicherung etc.).
  • Laut Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ist ein Verkauf von Verträgen ins Ausland ausgeschlossen. Somit wäre ein neuer Versicherer auch weiterhin unter ihrer Aufsicht und es gälten die Sicherungseinrichtungen der deutschen Lebensversicherer.
  • Nach einem Verkauf sollte die jährliche Standmitteilung genau gelesen und mit den Standmitteilungen der vergangenen Jahre verglichen werden. Sofern nicht nachvollziehbare Veränderungen auftauchen, wäre eine Aufklärung anzuraten.
  • Verbraucher sollten die aktuelle Diskussion zum Anlass nehmen, ihre Altersvorsorge als Ganzes auf den Prüfstand zu stellen und sich gegebenenfalls dazu unabhängig beraten zu lassen.

Verbraucherzentrale NRW

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