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Brexit: Was bedeutet das für Verbraucher?

Ich reise nach Großbritannien. Was benötige ich für die Einreise?

EU-Bürger werden zunächst kein Visum für die Einreise nach Großbritannien benötigen, wenn sie sich dort für kurzzeitige private Aufenthalte, wie etwa Urlaubsreisen, aufhalten. Auch eine Reihe von Geschäftsreisen, wie etwa der Besuch von Konferenzen, Besprechungen, oder Messen wird ohne Visum möglich sein. Für die Einreise wird ein noch mindestens sechs Monate gültiger Reisepass benötigt. Bis zum 30. September 2021 können EU-Bürger auch mit ihrem Personalausweis einreisen, danach wird ein Reisepass notwendig sein.

Erkundigen Sie sich am besten auch vor dem Antritt Ihrer Reise beim Auswärtigen Amt darüber, wie der Grenzübertritt geregelt ist und welche Dokumente Sie benötigen.

Was passiert, wenn ich auf der Reise in Großbritannien krank werde?

Die Europäische Krankenversicherungskarte wird in Großbritannien nach einem Austritt aus der EU nicht mehr gültig sein. Bitte prüfen Sie vor der Reise die Bedingungen für die Erstattung von Kosten für medizinische Notfälle in Nicht-EU-Ländern bei Ihrer Krankenversicherung.

Eine Auslandsreisekrankenversicherung sollten Sie für Reisen grundsätzlich immer haben – die springt außerhalb der EU ein, wenn Sie krank werden. Außerdem übernimmt sie bei Reisen in alle Länder – egal ob EU oder nicht – weitere Kosten, für die eine Krankenkasse nicht einsteht (z.B. Rücktransport). Tarife und Kosten hat die Stiftung Warentest verglichen.

Welchen Schutz habe ich, wenn ich in Großbritannien einkaufe?

Vor teureren Einkäufen im Großbritannien-Urlaub sollten Sie sich gut überlegen: Wäre der finanzielle Schaden für Sie zu groß, falls die Ware defekt ist? Der Hintergrund: Wenn Sie in Großbritannien etwas einkaufen, gilt britisches Recht. Wenn Sie in der Europäischen Union einkaufen, genießen Sie mit deren Regelungen einen Mindestschutz auf recht hohem Niveau. Sind gekaufte Geräte zum Beispiel defekt und funktionieren daheim nicht, können Sie davon ausgehen, dass Ihnen der Händler ähnliche Rechte einräumen muss, wie ein Händler in Deutschland. Nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU fällt dieser Mindestschutz allerdings für Einkäufe in Großbritannien weg. Sie wären zwar noch durch britisches Recht geschützt – das muss aber nicht gleich gut sein.

Außerdem geht ein Streit um Einkäufe in Großbritannien vor dortige Gerichte. Das kann ein mühsamer Weg sein, der durch einen Brexit vermutlich nicht leichter wird.

Was erwartet mich, wenn ich mit Einkäufen wieder in die EU einreisen will?

Das Handelsabkommen zwischen EU und Großbritannien sieht die Zollfreiheit für alle Güter vor. Das heißt es werden an der Grenze keine zusätzlichen Zölle erhoben. Es kann jedoch sein, das unter Umständen zusätzliche Steuern anfallen. Hier kommt es darauf an – unter anderem darauf, um welche Waren es sich handelt, wie teuer diese sind und welche Mengen Sie mitnehmen.

Ich habe eine Reise mit dem Flugzeug nach Großbritannien gebucht. Wird es zu Problemen kommen?

Nach derzeitigem Stand sollte es im Flugbetrieb aufgrund des vereinbarten Abkommens und der Vorbereitung von Notfallmaßnahmen nicht zu größeren Störungen kommen. Eine Garantie dafür, dass ausnahmslos alle Flüge abheben können, ist das jedoch nicht. Erkundigen Sie sich vor Abflug bei Ihrer Airline.

Wenn Sie Flüge mit einer EU-Fluglinie von oder nach Großbritannien gebucht haben, kommen Sie auch nach dem Brexit automatisch in den Genuss aller EU-Fluggastrechte. Das gilt auch für britische Fluglinien, wenn Sie in der EU abheben. Die einzige Ausnahme ist: Fliegen Sie mit einer britischen Fluggesellschaft (z.B. British Airways) und startet der Flug in Großbritannien, gelten für Sie ab dem 1. Januar 2021 nur die britischen Fluggastrechte. Die sind mit den EU-Regeln zunächst identisch – Großbritannien kann sie für die Zukunft aber verändern.

Große Verspätungen, die Annullierung eines Fluges oder Nichtbeförderung zum Zielflughafen sind immer ein großer Ärger – Sie stehen aber auch nach dem 1. Januar 2021 vermutlich erst einmal nicht schlechter da als bisher.

Ich habe eine Zugreise gebucht. Sind Schwierigkeiten zu erwarten?

Das Abkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich behandelt auch den Schienenverkehr. Eine Garantie dafür, dass ausnahmslos alle Züge fahren können, auch mit Blick auf die aktuelle Lage in der Corona-Pandemie, ist das jedoch nicht. Erkundigen Sie sich vor Abreise bei Ihrem Bahnunternehmen.

Auf dem Abschnitt Ihrer Reise, der durch EU-Länder führt, sind Sie bei Verspätungen und Zugausfällen durch die EU-Rechte für Fahrgäste im Eisenbahnverkehr geschützt. Die britischen Fahrgastrechte schützen Sie während Ihrer Reise durch Großbritannien.

Beispiel: Sie haben ein Eurostar-Ticket von Amsterdam nach London gebucht. Falls Ihr Zug ausfällt, können Sie für den Reiseabschnitt in der EU eine Ausgleichszahlung gemäß den EU-Fahrgastrechten erhalten. Für den restlichen Teil Ihrer Reise können Sie einen Ausgleich nach den britischen Fahrgastrechten verlangen. Das gilt umgekehrt genauso für Reisen von Großbritannien in die EU. Am besten verlangen Sie bei der Bahngesellschaft eine Rückerstattung der Ticketkosten.

Bei Bahnreisen innerhalb von Großbritannien kommen ausschließlich die britischen Fahrgastrechte zur Anwendung – auch dann, wenn Sie das Ticket in der EU gekauft haben.

Wie sieht es bei einer Bus-Reise aus?

Das Abkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich behandelt auch den Busverkehr. Eine Garantie dafür, dass ausnahmslos alle Busverbindungen durchgeführt werden, ist das jedoch nicht. Erkundigen Sie sich vor Abreise bei Ihrem Busunternehmen.

Auf dem Abschnitt Ihrer Reise, der durch EU-Länder verläuft, schützen Sie bei Verspätungen und Ausfällen die EU-Fahrgastrechte. Für den Reiseabschnitt in Großbritannien gelten die entsprechenden britischen Rechte. Diese Rechte sind vorerst mit denen der EU identisch, können zukünftig aber von den EU-Fahrgastrechten abweichen.

Ich möchte mit dem Auto nach Großbritannien fahren – was erwartet mich hier?

Als Reisender sind Führerscheine aus EU-Mitgliedsstaaten in Großbritannien weiterhin gültig. Klären Sie mit Ihrer Versicherung vor der Fahrt, ob Ihre Police eine Fahrt nach Großbritannien abdeckt. Sie sollten außerdem einen Versicherungsnachweis mit sich führen, zum Beispiel die Grüne Versicherungskarte.

Wer mit der Fähre übersetzt, den schützen die EU-Fahrgastrechte, wenn die Verbindung von einem EU-Hafen nach Großbritannien verspätet ist oder ausfällt, und wenn Sie anders herum mit einer EU-Fährgesellschaft von Großbritannien zu einer EU-Destination reisen. Ansonsten ist es wie bei den Flügen: Falls Sie mit einer britischen Gesellschaft fahren und von einem britischen Hafen starten, gilt der Schutz durch die britischen Fahrgastrechte. Diese Rechte sind vorerst mit denen der EU identisch, können zukünftig aber von den EU-Fahrgastrechten abweichen.

Steht bei Pauschalreisen weiterhin mein Veranstalter bei Problemen ein?

Wenn Probleme auftreten, z.B. falls das Hotel Konkurs anmeldet, haben Sie Anspruch auf Rückerstattung der Reisekosten, falls Sie die Pauschalreise über eine Reiseagentur mit Sitz in der EU gebucht haben. Das ändert sich auch mit einem Brexit nicht.

Anders sieht es in einem Spezialfall aus: Falls Sie Ihre Pauschalreise bei einem britischen Reiseveranstalter buchen, der Sie nicht direkt als Zielgruppe anspricht (d.h. es gibt beispielsweise keine Werbung oder keine Website in Ihrer Sprache), sind Sie nicht durch EU-Rechte geschützt. Dann müssen Sie gegebenenfalls eine zusätzliche Versicherung abschließen.

Roaming: Muss ich in Großbritannien für Telefonieren und Surfen zahlen?

Telefonieren, SMS und im Internet surfen – all das darf seit Mitte 2017 in der EU nicht mehr kosten als daheim. Nach dem Brexit werden diese Regelungen nicht mehr in Großbritannien gelten. Ihr Mobilfunkanbieter könnte für die Handynutzung dort dann wieder Aufpreise verlangen.

Welche Anbieter nach dem Brexit wieder Aufschläge kassieren, ist unklar, zunächst hatten die drei großen deutschen Mobilfunkprovider versichert, weiterhin keine Aufschläge für Reisen nach Großbritannien kassieren zu wollen. Unser Tipp: Erkundigen Sie sich kurz vor der Reise. Schalten Sie im Zweifel die Übertragung von mobilen Daten aus und nutzen Sie das Handy möglichst wenig zum Telefonieren, für SMS und mobiles Internet ohne WLan-Verbindung.

EU-Bürger müssen aber weiterhin von ihren europäischen Mobilfunkprovidern bei Auslandsreisen darüber informiert werden, welche Kosten bei Telefonaten, SMS oder Datennutzung entstehen.

Habe ich im Urlaub Zugriff auf Streamingdienste und digitale Bücher?

Die Portabilitätsverordnung wird nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU nicht mehr in Großbritannien gelten. Sie werden wahrscheinlich keinen oder nur eingeschränkten Zugriff auf Ihre Inhalte bei Onlinediensten wie Spotify, Netflix oder Kindle haben, wenn Sie nach Großbritannien reisen.

Drohen bei einer Zahlung per Kreditkarte Zusatzkosten?

Es sollten keine zusätzlichen Kosten anfallen, da Großbritannien weiterhin ebenso wie die EU Gebührenaufschläge für die Nutzung von Kreditkarten verbieten wird. Prüfen Sie sicherheitshalber die von Ihrer Bank bereitgestellten Informationen zu Zahlungsbedingungen im Ausland und bezahlen Sie stets in der Landeswährung – auch wenn Ihnen die Sofortumrechnung vor Ort angeboten wird. Dann ist der Wechselkurs schlechter als derjenige, den Ihnen Ihre Kreditkartenfirma anbietet.

Wird mein gebuchter Urlaub teurer?

Wenn das Pfund gegenüber dem Euro im Wert fällt, könnte der Urlaub in Großbritannien sogar günstiger werden. Was Sie noch nicht vorab gezahlt haben, unterläge dann plötzlich einem für Sie günstigeren Wechselkurs. Soll ein Hotel z.B. 500 Pfund kosten, zahlen Sie dafür nach aktuellem Wechselkurs etwa 550 Euro. Ändert sich der Wert des Pfunds, sind Verschiebungen um etliche Euro möglich.

Bei den Wechselkursen ist der Brexit aber bereits seit dem ursprünglichen Referendum über die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens eingepreist. Große Sprünge sind damit zu Jahresbeginn kaum zu erwarten.

In die Kosten eines Auslandsurlaubs spielen auch andere Faktoren hinein. So könnten die Preise für bestimmte Lebensmittel in Großbritannien nach dem Brexit zeitweise schwanken.


Verbraucherzentrale NRW

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